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Der Adresshandel als Buhmann der Nation
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Der Adresshandel als Buhmann der Nation
Fordert der Politikerpopulismus das 1. Bauernopfer des
Superwahljahrs?
Ein Gespenst geht um in Deutschland, das Gespenst des Populismus.
Es nährt sich von unbestimmter Angst und von öffentlich diskutierten
Kriminalfällen. Politikern füttern dieses Gespenst, um im Superwahljahr 2009
Stimmen zu fangen.
Leider geht dieser Populismus zu weit.
So weit nämlich, dass die Grundfesten unserer Marktwirtschaft ins Wanken geraten
– und diesem Treiben ist nun Einhalt zu gebieten.
Die Angst vor dem Verlust der Privatsphäre existiert nicht erst seit 1984, aber
im 21. Jahrhundert ist technisch weit mehr Bespitzelung möglich, als Orwell es
zu prognostizieren gewagt hätte. Die Deutschen sind dank ihrer Vergangenheit –
vor der Stasi gab es die Nazis – vielleicht noch ein bisschen sensibler.
Und jetzt kamen die Schlagzeilen hinzu: Mitarbeiterbespitzelung bei Lidl,
Datenverkauf im großen Stil bei der Telekom. Diese Fälle sind kriminell und das
ist gut so, denn es ist davon auszugehen, dass die Verantwortlichen gesucht,
gefunden und verurteilt werden.
Die große Medienwirksamkeit der kriminellen Einzelfälle gepaart mit der Angst
des Einzelnen, welche noch dadurch untermauert wird, dass jeder wirtschaftlich
aktive Mensch Werbebriefe, Spams und vielleicht sogar einen unerwünschten
Marketinganruf erhält, hat jedoch zu einem populistischen Aktivismus geführt,
welcher in seinen Konsequenzen undurchdacht und in seinen Folgen nicht absehbar
ist.
Die Novelle des BDSG legt das Direktmarketing lahm. Durch die Streichung des
sogenannten Listenprivilegs wird es im Endeffekt keine Werbebriefe oder –faxe,
keine Telefonverkäufe, keine selektiven E-Mails oder SMS mehr geben.
Die unternehmerische Landschaft wird sich verändern und anpassen.
Pardon:
Es wird vielleicht kein Direktmarketing mehr von deutschem Boden aus geben, aber
in einer globalisierten Welt ist es ja unerheblich, ob der Server in Jersey
steht oder ob die freundliche Callcentermitarbeiterin aus der Ukraine anruft.
Direktmarketing ist nämlich für jedes Unternehmen unabdingbar.
Jedes Unternehmen muss seine Produkte und Dienstleistungen verkaufen.
Nur die Neukundengewinnung sichert das Überleben.
Also wird jedes Unternehmen nur einen anderen Weg gehen.
Für die Unternehmen wird es ein bisschen umständlicher.
Für den Endkunden ändert sich nichts.
Einige Politiker haben mit einer schnellen Aktion Stimmen gefangen und ach
ja.....
die Bauernopfer, die gibt es auch noch:
Die Verlierer in diesem Spiel sind Tausende von Callcentermitarbeitern, die
ihren Job verlieren und all die seriösen Adressbuchverlage und Listbroker, die
sich ein neues Geschäftsfeld suchen müssen.
Und die liberale Marktwirtschaft, die hat auch wieder ein Stückchen verloren.
Schade eigentlich.
Dipl.-Kff. Marion Frettlöh
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