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Callcenter- und Kampagnenmanagement-Software, Teil 1 (2)
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Von der Problematik der Auswahl von Callcenter-Software, Teil 1 (2)
Auswahl von Callcenter- und
Kampagnenmanagement-Software
Wer ein Callcenter mit entsprechender Software ausstatten will,
sieht sich einem breiten Angebot gegenüber. Hier die richtige Lösung zu finden,
ist für den Laien oftmals mit unüberwindbaren Hindernissen verbunden. Dieser
Artikel möchte durch eine Systematisierung des Auswahlprozesses helfen, die
Auswahl transparenter zu machen und Fallstricke zu vermeiden. Sie werden
wahrscheinlich mehr Fragen als Antworten finden.
Nehmen Sie dies als Impuls, den Auswahlprozeß in seiner ganzen Vielschichtigkeit
zu erfassen.
Zielsetzung
Zunächst machen Sie sich bewußt, was Sie mit dem Zweck des Softwareeinsatzes
erreichen wollen. Definieren Sie quantifizierbare und überprüfbare Ziele.
Möchten Sie die Anzahl Calls je Stunde bzw. Agent durch den Einsatz von CTI
(Computer Telephony Integration) basierten Dialern erhöhen oder soll das
Controlling von Projektergebnissen durch interaktive Gesprächsleitfäden
beschleunigt werden? Letzteres Problem stellt sich insbesondere für externe
Callcenter, die Ihre Dienstleistungen externen Auftraggebern anbieten. Hier wird
oft ein Zwischenergebnis erwartet, um ggf. erfolglose Kampagnen ändern oder
stoppen zu können.
Die Ziele hängen im hohen Maße vom Einsatzgebiet ab. Bei der Neugründung eines
Callcenters ist oftmals noch gar nicht klar, ob Tätigkeiten wie z.B.
Adressqualifizierung, Marktforschung, Beschwerdemanagement, Ticketverkauf,
Aboservice, Hotline etc. als Dienstleistung angeboten werden soll. Hier ist eine
klare Ausrichtung Grundvoraussetzung für einen systematischen
Entscheidungsprozeß.
Bestandsaufnahme
Nachdem Sie quantifizierbare Ziele gesetzt haben, analysieren Sie den
Ist-Zustand. Wie sieht Ihre IT-Infrastruktur aus? Sind alle Agentenplätze
bereits mit einem PC ausgestattet? Wie sieht Ihre
Telekommunikationsinfrastruktur aus? Verfügt diese bereits über eine gängige
CTI-Schnittstelle (TAPI, TSAPI, CSTA)? Die TAPI-Schnittstelle (Telephony
Programming Interface) stammt von Microsoft und ist Bestandteil des Windows
Betriebssystems. CTI-Verbindungen lassen sich über die Koppelung des
Arbeitsplatztelefons mit dem lokalen Rechner (1st-Party-TAPI) oder über die
Verbindung von CTI-Server mit der Telefonanlage (3rd-Party-TAPI) realisieren.

Von Novell kommt historisch die TSAPI-Schnittstelle. Die TSAPI
ist eine reine Third-Party-Schnittstelle.
Prüfen Sie, ob Ihre Telefonanlage (TK-Anlage) über eine dieser
Standard-CTI-Schnittstellen verfügt und evaluieren Sie die Kosten für eine
entsprechende Aufrüstung. Oftmals erweist sich ein Austausch der gesamten
TK-Anlage als günstiger. Denn aktuelle TK-Anlagen verfügenn heute zumeist von
Hause aus bereits über die TAPI-Schnittstelle.
Wie erreichen Sie Ihre Ziele?
Jetzt kennen Sie Ihren momentanen Zustand und Ihr Ziel. Welche Funktionen
sind notwendig um dieses Ziel zu erreichen?
Zum Standard im Inbound gehört die Identifikation des Anrufers (Calling-ID),
sofern dessen Rufnummer übermittelt wird. Telefonieren Sie für mehrere
Auftraggeber ist es jedoch auch wichtig zu wissen, für welchen Auftraggeber der
Ruf eingeht. Zum einen kann sich dann der Agent entsprechend melden, zum anderen
kann dann die Abrechnung für den einkommenden Ruf direkt dem Auftraggeber
zugeordnet werden. Handelt es sich um ein Inhouse-Callcenter ist die Called-ID
(gerufene Nummer) bzw. Redirecting-ID ebenfalls interessant. Stellen Sie sich
vor, Sie veröffentlichen eine Anzeige und geben eine spezielle Durchwahl an. So
läßt sich direkt nachvollziehen, wieviel Anrufe durch die Anzeige initiiert
worden sind. Praktisch kann dies über die angerufene Telefonnummer (Called-ID)
oder andere Verfahren, wie z.B. Nachwahl erreicht werden. Doch Achtung Falle!
Die TAPI-Schnittstelle legt zwar einen Funktionsumfang fest, der auch die
Identifikation der Called-ID beinhaltet. Welche Funktionen aber der Hersteller
des Telefons bzw. der TK-Anlage in seinen TAPI-Treiber implementiert, bleibt ihm
selbst überlassen. So kann es passieren, dass Sie die ideale Softwarelösung
finden, die diese Funktion unterstützt. Da Ihre ausgewählte TK-Anlage diese
Funktion nicht im eigenen TAPI-Treiber implementiert hat, ist die Identifikation
der gerufenen Nummer auch nicht in der Software verfügbar.
Gleiches gilt im Übrigen für das Makeln bzw. die Rückfrage oder die
Signalisierung falscher Ruf-Nr.. Auch diese Funktionen sind in vielen
TAPI-Treibern der TK-Hersteller nicht implementiert.
Wenn Sie für eingehende Telefonate mehrere Agentenplätze haben, muß für eine
Rufweiterschaltung gesorgt sein. Leistet dies Ihre TK-Anlage (ACD) oder muß dies
die Software für Sie leisten?
Im Outbound kommt es darauf an, mit wieviel Agentenplätzen Sie arbeiten möchten.
Soll der Vertriebsinnendienst lediglich aus dem PC automatisch wählen können,
genügt eine einfache Anwahl aus der Kundendatenbank. Schön ist die Terminierung
von Anrufen, z.B. für die Angebotsverfolgung. Soll eine größere Menge von Kunden
angerufen werden, sollte die Softwarelösung über einen Powerdialer verfügen. Der
Powerdialer wählt automatisch eine gesamte Liste ab. Ist ein Kunde besetzt oder
nimmt nicht ab, wird der Anruf automatisch für einen späteren Anwahlversuch
zurückgestellt, d.h. der Agent führt nur noch real verbundene Gespräche. Prüfen
Sie hier, ob der von Ihnen eingesetzte TAPI-Treiber „besetzte“ oder „falsche“
Telefon-Nr. automatisch herausfiltern kann.
Haben Sie eine große Anzahl von gleichzeitig besetzten Agentenplätzen kann
Predictive Dialing noch eine weitere Möglichkeit sein, die Anzahl der 7Anrufe je
Stunde zu steigern. Beim Predicitve Dialing wird anhand eines statistischen
Wertes bewußt ein Overdial erzeugt, da davon ausgegangen wird, dass einige
angerufene Teilnehmer besetzt sind oder nicht abnehmen werden.
Überlegen Sie, wie viele Gespräche von Ihnen geführt werden? Wenn dies starken
saisonalen Schwankungen unterliegt, kann ein Abgeben der Spitzen an einen
externen Dienstleister eine Hilfe sein. Sie benötigen dann nicht ein auf die
maximale Spitzenbelastung ausgerichtetes System, sondern können evtl. auch eine
kleinere Callcenterlösung einsetzen.
Callcenter wandeln sich von reinen Telefoniedienstleistern zu Service-Centern,
die komplette Geschäftsprozesse abbilden (Business Process Outsourcing). Von
daher ist ein flexibles Kampagnenmanagement wichtig, dass auch mehrstufige
Kommunikationsketten über unterschiedliche Kommunikationskanäle abbilden kann:
Bedenken Sie das Controlling und notwendige Statistikfunktionen. Welche Angaben
geben Ihnen aussagekräftige Informationen: Netto- / Bruttokontakte je Agent,
Projekt, Datumsbereich, Ursache erfolgloser Telefonate, kumulierte
Nettogesprächsdauer, uvm.? Wie sollen die Reports grafisch aufbereitet sein? Was
erwarten ggf. externe Auftraggeber für Reports?
Wie soll die Gebührenabrechnung erfolgen?
Welche Informationen benötigt der Agent während des Telefonates?
Für Standardanwendungen wie, z.B. Adressqualifizierung oder Marktforschung, kann
ein interaktiver Gesprächsleitfaden wertvolle Dienste leisten. Wie flexibel und
einfach läßt sich der Leitfaden einrichten? Lassen sich eigene Funktionen
programmieren oder beliebige Verzweigungen einbauen? Ein Leitfaden unterstützt
auch weniger vorgebildete Agenten wirkungsvoll.
Wie liegen Ihre jetzigen Daten vor? Können diese Daten in die neue Software
importiert werden oder muß direkt ein Zugriff auf Ihre bestehenden Datenbanken
erfolgen? So ist z.B. für die Bestellannahme ein direkter Zugriff auf die
Warenwirtschaft sinnvoll, so dass der Agent sofort Aussagen über Verfügbarkeit
eines Artikels oder Status eines Auftrages dieses Kunden treffen kann. Arbeiten
Sie mit externen Auftraggebern zusammen, müssen die Ergebnisdaten auch in einem
Format ausgegeben werden können, das der Auftraggeber weiterverwerten kann.
Damit kommen wir zum Punkt Datenschutz. Wie differenziert ist das Rechtesystem
der Callcenter-Software? Ist gewährleistet, dass Agenten nur an Daten des
aktuellen Projektes kommen und damit die Datensicherheit der Daten externer
Auftraggeber gewährleistet ist? Ist die Software mandantenfähig? Lassen sich
über das Rechtesystem Mandanten oder Informationsteile der Mandanten sperren?
Können Funktionen gesperrt werden, so dass z.B. ein mißbräuchlicher Datenexport
verhindert wird?
Welche Aufgaben fallen nach einem Telefonat an? Muß ein neues Telefonat geplant
werden? Werden Informationsmaterialien per Post, Fax oder Email zugesendet?
Angebot kreiert? Terminbestätigungen versandt? Inwieweit deckt die
Callcenter-Lösung diese Bereiche ab oder bietet Schnittstellen zur üblichen
Standardsoftware, z.B. MS-Office, gängigen Emailclients oder Faxsoftware.
Soll auch der Außendienst in dies Informationssystem mit eingebunden werden, ist
hierfür ein entsprechendes Replikationsmodul notwendig, das die Daten
gegenseitig abgleicht oder eine Online-Anbindung zu bedenken. So erhält der
Außendienstler die aktuellen Infos aus dem Callcenter direkt vor Ort, während
das Callcenter ebenso über die Aktivitäten des Außendienstmitarbeiters bei
diesem Kunden informiert ist.
In Ihre Überlegungen sollte auch die Skalierbarkeit der Softwarelösung
einfließen. Versuchen Sie sich Ihr Unternehmen in ein oder zwei Jahren
vorzustellen. Mit wie vielen Agenten werden Sie dann arbeiten? Welche weiteren
Dienstleistungen werden Sie zukünftig noch anbieten? Läßt sich die Software
modular erweitern oder selbst programmieren?
Bewerten Sie diese Funktionen im Hinblick auf die Zielerreichung Ihres primären
Zieles. Bringen Sie die Funktionen in eine Rangfolge. Prüfen Sie das verfügbare
Budget. So verhindern Sie, dass Sie bezahlbare Lösungen aus dem Blick verlieren,
die vielleicht 95 % Ihre geforderten Funktionen erfüllen, so dass das Primärziel
erreicht werden kann. Denn oftmals gewinnen sensationelle Funktionen im
Auswahlprozeß einen Stellenwert, den ihr Beitrag zur Zielerreichung nicht
entspricht.
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Dipl.-Kaufm. Markus Grutzeck Geschäftsführer der Grutzeck-Software GmbH
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